Montag, 8. Februar 2016

Sid Meier’s Civilization V

Es ist der zur Zeit aktuelle Ableger der großen Strategiespiel-Serie von Sid Meier. Zumindest unter denen, die auf der Erde spielen. Wird dein Imperium wachsen und erobern? Wirst es mit seiner Kultur alle anderen ausstechen? Oder werden deine Wissenschaftler als erstes den Weg nach Alpha Centauri finden?

Von der Steinzeit in die Zukunft

Der große Unterschied zwischen Civilization und seinen Genre-Konkurrenten ist der zeitliche Umfang von Sid Meiers Werk. Man startet mit einer Einheit Siedler und einer Einheit Krieger, Späher oder einem Bautrupp in der Jungsteinzeit, der Zeit, als die Menschen erste Siedlungen gründeten. Danach begleitet man sein wachsendes Volk durch alle großen Zeitalter bis hin zur Zukunft.
Die Schlüsselrolle zum Vorankommen haben dabei die Technologien inne. Das Volk generiert Wissenschaft, welche dafür ausgegeben werden muss, immer neue und bessere Fertigkeiten zu erhalten. Während man am Anfang noch keine Tiere halten oder nur einfache Krieger ausbilden kann, so weichen diese in späteren Zeitaltern Flugzeugen und Panzern.
Neben dem theoretisch endlosen Modus gegen Computer oder menschliche Mitspieler gibt es noch eine Reihe von Kampagnen, in denen man mit vorgegebenen Völkern ein historisches Szenario erlebt. Einige der dabei vorkommenden Völker tauchen ausschließlich in eben jenen Szenarien auf und können nicht im Endlosspiel gewählt werden.

Detailreichtum und Übersicht

Gut gesicherte Grenzen sind überlebenswichtig
Das Spiel wird der Übersicht halber ausschließlich in Vogelperspektive dargestellt, wahlweise kann man sich die Grenzen der Hexfelder und die strategischen Empfehlungen des Spiels anzeigen lassen oder nicht. Wählt man die strategische Übersicht, wird die Grafik auf das Niveau eines Brettspiels vereinfacht.
Bleibt man bei der Standartansicht, so fällt einem ein gewisser Detail-Reichtum auf. Wälder und Dschungel bestehen aus unterschiedlichen Baumsorten, es gibt etliche Ressourcen, die eigene Darstellungen und Animationen besitzen und Einheiten und Städte werden im Stil der Zeit und dem gewählten Volk angepasst.
Trotz dieser Details bleibt das Spiel immer übersichtlich, der aus Aufbaustrategiespielen wie Anno oder Siedler bekannte Wuseleffekt fehlt bewusst. Dafür erkennt man einige Spezialgebäude und alle gebauten Wunder an den Rändern seiner Städte wieder.

Rochade

Stadtstaaten können mächtige Verbündete werden
Civilazation 5 wird, wie auch die Vorgänger, mit der Maus und optional einstellbaren Tastaturbefehlen gespielt. Wie die Grafik ist auch die Steuerung vor allem zweckmäßig. Leider hakt es in manchen Fällen, etwa, wenn man eine Einheit ausgewählt hat und sich dafür entscheidet, zunächst einer anderen Einheit oder Stadt einen Befehl zu geben. Eigentlich bricht ein Klick mit der rechten Maustaste den Befehlsmodus ab, klickt man dabei jedoch auf eine benachbarte Einheit, werden die Einheiten stattdessen getauscht und eine Runde geht verloren. Im taktischen Krieg eine unnötige und ärgerliche Sache.

Klanginszenierung

Musikalisch ist Civilization ein großartiges Werk. Die Hintergrundmusik im Spiel variiert, je nachdem, welche Kultur man gewählt hat und in welcher Zeit man sich befindet. Wird ein Großer Musiker dafür benutzt, ein Musikwerk zu erschaffen, erfolgt zudem eine kurze Einblendung seines berühmten Werkes.
Die Sprachausgabe des Spiels ist auf einige wenige Abschnitte des Spiels beschränkt, namentlich die Einwände der verschiedenen Berater, die Gespräche mit anderen Zivilisationen und der kurzen Erklärung des gewählten Volks oder Szenarios am Anfang einer Spielsitzung. Allerdings sind die Sprecher gut und die Tonqualität ist ordentlich, zudem sprechen die Herrscher der anderen Reiche im Spiel in deren Landessprache (natürlich bei deutschem Text).

Schöne göttliche Welt

Kleine Details wie die Pyramiden runden das Stadtbild ab
Das Spiel unterscheidet sich von seinen Vorgängern hinsichtlich der Kriegsführung massiv. Während man in den früheren Teilen Einheiten stacken und den Gegner mit geballter Überlegenheit bombardieren konnte, ist dies bei Civilization 5 nur noch bedingt möglich. Militärische Land- und Marineeinheiten können sich so zum Beispiel gar nicht mehr auf demselben Feld befinden (mit Ausnahme großer Generale oder Admirale zusammen mit ihren Truppen). Allerdings kann man in einer Stadt sowohl eine Landeinheit als auch mehrere Luftwaffeneinheiten stationiert halten.
Auf diese Weise wird das Spiel wesentlich taktischer, da man im Vorfeld überlegen muss, wie man eine gegnerische Stadt am besten belagert. Zudem führt es dazu, dass auf den höheren Schwierigkeitsgraden der Militärsieg nicht mehr der einfachste Siegtypus darstellt.
Eine Erweiterung an neuen Völkern, Karten und Szenarien haben die beiden Add-Ons »Brave New World« und »Gods and Kings« gebracht, dazu kamen einige DLCs. Tatsächlich ist das Spiel im Komplettpaket um einiges besser und besitzt eine für Civilization bislang einzigartige Umsetzung des Kultursieges. Statt stumpf das Utopia-Projekt zu erforschen, wie es im nackten Hauptspiel der Fall ist, muss man nun mit großen Werkenund Weltwundern Tourismus generieren, um sein Reich bei den anderen in ein gutes Licht zu rücken. Zudem bringen die Erweiterungen Religionen und Spionage ins Spiel, die sich wunderbar in das allumfassende Gesamtbild der Reihe einfügen.

Fazit

Zu Anfang bin ich mit Civ5 nicht warm geworden. Ich war ein glühender Anhänger des vierten Teils und vermisste mein Einheiten-Stacking, die Religionen und den Übertritt von fremden Städten zu meinem Reich, wenn ich nur genügend Kultur besaß.
Die Add-Ons haben einige dieser Missstände behoben und ich zähle Civ 5 mittlerweile zu meinen Lieblingsspielen. Sicherlich gibt es taktischere Strategiespiele, etwa Age of Empires, allerdings kommt kein Spiel, das ich kenne, in seinem Gesamtumfang an die Civ-Reihe heran.
Daneben mag ich die feine Unterteilung der Schwierigkeitsgrade und Civ 5 hat gegenüber dem vierten Teil einen entscheidenden Vorteil bekommen: Man muss nicht mehr ab dem Grad König stumpf militärisch vorgehen, um zu gewinnen. Ich persönlich habe mehrere Spiele auf Unsterblich durch den Punktsieg nach Ablauf der Zeit gewonnen. Cis größter Faktor ist jedoch das Suchtpotenzial, welches sich in so vielen rundenbasierten Spielen verbirgt. Man will nur noch eben eine Runde beenden und auf einmal ist es vier Uhr früh am nächsten Morgen und man hat die Welt erobert.


Grafik: 2
Hintergründe: 3
Sprites: 2
Animation: 0

Sound: 1
Musik: 2
Soundeffekte: 1
Sprachausgabe: 1

Gamedesign: 3
Steuerung: 0
Dialoge: 1
Story: 0
Schwierigkeit: 5
»Flow«: 5

Gesamteindruck: 3 (Sehr gut)

Genre: Rundenstrategie
Hersteller: Firaxis Games
Publisher: 2K Games
Erstveröffnetlichungsjahr: 2010
Beziehbar über:
Amazon
Steam

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