Donnerstag, 18. Februar 2016

My Ex-Boyfriend The Space Tyrant

Was passiert, wenn man Bullys (T)Raumschiff mit Monkey Island kreuzt und eine Reihe halb nackter Männer mit hineinsetzt? Genau, das vermutlich absurdeste Adventure, dass man je zu Gesicht bekommen hat.

Mein Exfreund, der Weltraumtyrann

Bananen waren schon immer erotische Früchte
Vorab müssen zwei Warnungen gegeben werden: Wer so überhaupt nichts mit Homosexualität zu tun haben will, braucht sich das Spiel gar nicht erst anzusehen. Dasselbe gilt für Leute, die sich von einem unglaublich platten, teils sexistischen Humor auch auf Kosten von Schwulen angegriffen fühlen. Im Endeffekt sind es dieselben Warnungen, die man auch für (T)Raumschiff Surprise von Bully Herbig aussprechen konnte.

Ale anderen könnten eventuell Interesse an diesem Spiel zeigen.
Es geht um den ehemaligen Weltraumflotten-Kapitän Tycho Minogue, der von seiner alten Crew entführt wird, um die Galaxie zu retten. Tychos Sommerliebe Andromedus, sein Exfreund aus Uni-Tagen, hat sich zu einem tyrannischen Eroberer gemausert und bedroht nun die gesamte Galaxie, namentlich die Planeten New Camelot, Aqualonia und Erde.

Die einzige Person, die ›Andy‹ aufhalten kann, ist Tycho. Doch der glaubt fest an die Unschuld seines Exfreundes, selbst dann noch, als er die Invasionstruppen auf New Camelot eintreffen sieht.


Comichintern

 

Dieses Insekt ist nur des Hinterns wegen im Spiel
Grafisch kann das Spiel nicht überzeugen, es sieht aus, als sei es rund zwanzig Jahre alt. Die Zeichnungen sind grob, aber passend. Ob allerdings das ständige präsentieren von Fetischwäsche und Hintern wirklich der Zielgruppe entspricht, kann man bezweifeln. Allerdings untermalt es den humoristischen Charakter des Spiels.

Der Ex-Boyfriend nimmt sich selbst weder in Grafik noch in Text besonders ernst, was in einer Zeit, in der die meisten Adventurespiele Thrillern und düsteren Krimis gleichen, eine erfreuliche Abwechslung ist.

Dauerschleife

Musikalisch sticht das Spiel ebenfalls nicht hervor. Die Soundeffekte wurden ebenfalls humoristisch eingesetzt, insbesondere dann, wenn Tycho einen neuen Gegenstand findet. Die Hintergrundmusik ist den Planeten, aber seltener den einzelnen Bildern angepasst und nervt nach einer Weile. Sprachausgabe existiert nicht.

Wortwitz

Was gelungen ist, sind die Dialoge. Leider führen die andauernden Wortspiele und sexuellen Andeutungen auch dazu, dass das Spiel vermutlich niemals übersetzt werden wird. Viele Wortwitz sind nicht übersetzbar oder auch nur als Vorlage für eine Lokalisation zu gebrauchen.

Spätestens bei der Jagd im Schlosswald von New Camelot fällt auf, dass man »Boner« nicht einfach mit »Ständer« übersetzen darf. Schade drum, aber wer ein alltagstaugliches Gebrauchsenglisch besitzt, kann dem Spiel sehr gut folgen. Man sollte allerdings einige anzügliche Begriffe beherrschen.

Boys und Männer

Diese roten Typen sind die Bösen
Bei den Figuren wurde sich, trotz aller Klischees ebenfalls Mühe gegeben.
Die Charaktere wirken einzeln als Persönlichkeiten sehr gut und nicht alle Männer des Spiels sind schwul. Zumindest der Bürgermeister von New Camelot ist sehr glücklich mit seiner Ehefrau.

Nahezu alle Charaktere trifft man mehrmals im Spiel, was natürlich dazu führt, dass man sie besser kennenlernt und einschätzen kann.

 

Fazit

Ohne Worte
Die Review ist deutlich kürzer ausgefallen, als ich für mich selbst erwartet hatte. Mir hat das Spiel im Großen und Ganzen nämlich gut gefallen. Es handelt sich um ein grundsolides, relativ einfaches und kurzes Point’n’Click Adventure, welches sich selbst grafisch nicht von den klassischen Pfaden entfernt. Allein dafür liebe ich es.

Der Humor mit seinen teils platten, teils herausragenden Wortwitzen (wer findet den platten Wortwitz in diesem Satz?) sagt mir ebenfalls zu, aber das ist, wie jeder Humor, Geschmackssache. Hier kann ich nur wiederholen: Wer die Filme von Bully mag, wird auch an diesem Spiel seinen Spaß haben.
Was man allerdings nicht tun sollte: Dieses Spiel ernst nehmen. Es ist keine Persiflage auf andere Adventure-Spiele, wie Tony Tough, aber es ist ein wenig eine Persiflage auf die homosexuelle Community. Wie sehr vieles, was von dieser Community den Sprung in die »weite Welt« schafft. Auch hier mus ich sagen: Ich für meinen Teil komme damit gut zurecht. Genau wie mit den andauernden Hintern im Bild.

Gegen Ende wirkt das Spiel allerdings, als sei dem Entwicklerteam Zeit, Lust und/ oder Geld ausgegangen. Ich musste zwar mit den Tränen kämpfen, dies liegt aber nicht an dem herausragend guten Ende, sondern an der Tatsache, dass ich Tycho wirklich ins Herz geschlossen hatte. Für ihn und seine Geschichte fand ich den Abschluss des Adventures einfach nur flach.


Grafik: -1
Hintergründe: -1
Sprites: 0
Animation: -1


Sound: -1
Musik: -1
Soundeffekte: 0
Sprachausgabe: nicht vorhanden


Gamedesign: 2
Steuerung: 0
Dialoge: 4
Story: 4
Schwierigkeit: 0
»Flow«: 4


Gesamteindruck: Durchschnitt

Genre: Point’n’Click Adventure
Hersteller: Up Multimedia
Publisher: Up MultimediaErstveröffnetlichungsjahr: 2014
Beziehbar über:
Steam

Weiterführende Links:
Let's play





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