Dienstag, 19. Januar 2016

Memento Mori - Die Spur des Todesengels

Oberst Ostankovic steht kurz vor seiner Ehrung als herausragendes Mitglied der russischen Miliz. Sein Aufgabengebiet ist die Überwachung der Kunstwerke in der Eremitage in St. Petersburg. Unglücklicherweise verschwindet kurz vor seinem großen Tag eines der berühmtesten Gemälde der Sammlung.

Doppeltes Geschehen


Ostankovic bittet die ehemalige russische Polizistin Lara um Hilfe. Lara arbeitet jetzt bei Interpol und ist dort mit Kunstraub betraut worden. Zudem hat er den ehemaligen Fälscher Maxime bei der Hand, welcher für ihn arbeiten muss, um nicht erneut festgenommen zu werden.
Die Cutscenes sind gut gelungen

Die Geschichte wird abwechselnd aus Laras und Maximes Perspektive gespielt, dazu kommen verschiedene Handlungsorte. Genretypisch geht es darum, kleine Rätsel zu lösen und Gegenstände zu kombinieren, um im Geschehen voranzukommen.
Lara und Max stehen miteinander per Mail und Handy in Kontakt und können über diese Wege auch mit dem Oberst kommunizieren. Dieser will vor allem eins: Den Kunstraub und seine Folgen geheim halten, um seine eigene Beförderung nicht zu gefährden.

Schön geht anders


Das Spiel hat wunderschön gestaltete Hintergründe und auch die Darstellung der historischen Gemälde ist gut umgesetzt worden. Insbesondere wenn man bedenkt, dass »Memento Mori« bereits auf die acht Jahre zugeht.
Leider sehen die Figuren und teilweise auch die Gegenstände im Spiel selbst für das Alter schäbig aus. Insbesondere die Haare wirken aufgemalt und die Animationen sind stellenweise sehr umständlich und hakelig umgesetzt worden.
Positiv ist allerdings anzumerken, dass »Memento Mori« nicht wie manch anderer Genre-Vertreter mit einem unendlichen, super-kompresiven Inventar ausgestattet ist. In die Taschen der Figuren kommt nur, was auch in Taschen passt. Alles andere tragen sie in der Hand und sind damit für einen Moment blockiert, um Dinge aufzuheben oder zu benutzen.
Das Spiel bietet in den Übergängen zwischen den einzelnen Akten Cutscenes, bei denen sich die Entwickler auch Mühe gegeben haben. Sie sind optisch auf der Höhe der damaligen Zeit und sehr ansprechend.

Osten, nein Westen, nein, doch Osten

In der Eremitage

Die Bedienung ist solides Point’n’Click. Allerdings ist der Cursor mitunter ungenau und es erfordert ein wenig Herumprobieren, genau die Stelle zu treffen, nach der man sucht. Darüber hinaus sind die Ausgänge auf den Karten teilweise unpassend bis unlogisch gelegt worden, sodass man dazu neigt, sich auf die falsche Karte zu klicken.

Um die Gegenstände zu benutzen, gibt es nur die Möglichkeit der linken bzw. rechten Maustaste, sprich: Ein Gegenstand kann nur auf eine Weise benutzt oder untersucht werden.
Kombination findet im Inventar statt und ist weitgehend logisch, artet aber stellenweise zur Friemelarbeit aus, wenn Lara zum Beispiel einen neuen Akku in ihr Handy einsetzt.

Soundkulisse? Immer her damit!


Das Spiel ist musikalisch unaufdringlich und passend unterlegt worden. Ein Highlight ist die Szene in der russischen Disco, wo tatsächlich russischer Punkrock gespielt wird.
Die Soundeffekte sind dagegen teilweise zeitversetzt zu den Ereignissen. Die Sprachausgabe ist gut, einigen Sprechern fehlt es allerdings an Gefühl für ihre Rolle. Vielleicht liegt es aber auch an der ruppigen Animation der Figuren, dass Stimme, Sprachmelodie und Charakter nicht zusammen zu passen scheinen.


Europa Tour


Das Spiel ist im großen und ganzen schön umgesetzt worden, leider geht das Flair der verschiedenen Handlungsorte etwas verloren. Vor allem dadurch, dass unbeteiligte Nebenfiguren in Deutsch reden. Das gilt für Lyon genauso wie für Petersburg oder irgendeine andere Location. Hier hätte man durchaus mehr Atmosphäre reinbringen können.

Fazit


Das Spiel macht auf mich einen durchschnittlichen Eindruck. Der Versuch, auf der kleinen Welle neuer Adventures in den 2000er Jahren mitzuschwimmen, ohne das Spiel richtig fertiggestellt zu haben.

Die Geschichte ist solide. Eine Sekte stiehlt Bilder aus einem Museum, Interpol wird eingeschaltet und der überwachende Offizier des Museums bangt um seine Rente, sollte das Treiben auffliegen. Leider tragen die Dialoge die Story nicht mit.
Die Kameraführung ist mitunter fragwürdig

Sätze und Aufforderungen werden unnötig wiederholt, dafür fehlen an anderen Stellen wichtige Hinweise, was man tun könnte. Man kann Dialoge überspringen, die Informationen zum Vorankommen enthalten, selbst beim ersten Spielen. Dafür gibt es keine richtigen Gesprächsoptionen. Ein falsch gelaufenes Gespräch kann ohne Konsequenzen sooft wiederholt werden, bis man die richtige Antwort gefunden hat. Alternative Lösungswege gibt es keine.

Die Cutscenes sind schön anzusehen, aber genauso wie einige Animationen beim Betreten von Räumen einfach zu viel und zu langatmig. Insgesamt fehlt dem Spiel der richtige Drive in der Umsetzung, um einen zum Durchspielen zu animieren. Nur die Frage, wer diese Sekte ist (die erst nach einigen Stunden Spielzeit auftauchen) allein, reicht nicht aus.




Grafik: 0
Hintergründe: 4
Sprites: -2
Animation: -3



Sound: 0
Musik: 1
Soundeffekte: 0
Sprachausgabe: 0



Gamedesign: 1
Steuerung: 0
Dialoge: -4
Story: 0
Schwierigkeit: 0
»Flow«: -4


Gesamteindruck: Durchschnitt

Genre: Point’n’Click Adventure
Hersteller: Centauri Production
Publisher: dtp
Erstveröffnetlichungsjahr: 2008
USK: 12
Beziehbar über:  Amazon; Steam

Weiterführende Links:
Offizielle Website
Memento Mori auf Amazon


Memento Mori auf Steam

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